Das UNO-Hochseeschutzabkommen tritt heute in Kraft
Am heutigen 17. Januar 2026 tritt ein historisches Abkommen zum Schutz der Weltmeere in Kraft. Es ist ein Erfolg, den die internationale Meeresgemeinschaft seit Jahrzehnten herbeigesehnt hat. Offiziell wird das Hochseeschutzabkommen als Agreement on the Conservation and Sustainable Use of Marine Biological Diversity of Areas Beyond National Jurisdiction (BBNJ-Abkommen) oder High Seas Treaty bezeichnet. Es schafft erstmals ein verbindliches internationales Recht zur Sicherung der biologischen Vielfalt in den internationalen Gewässern. Dabei handelt es sich um jene Bereiche des Ozeans, die ausserhalb der nationalen Hoheitszonen liegen. Diese machen mehr als zwei Drittel der Wasserflächen unseres Planeten aus.
Der lange Weg zu einem Abkommen
Die Wurzeln dieses Abkommens reichen weit zurück. Ende der 2010er Jahre wurde klar, dass das bestehende Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS) eine entscheidende Lücke liess: Es gab keinen klaren Mechanismus, um Meeresschutzgebiete in der Hochsee zu schaffen oder die biologische Vielfalt dort systematisch zu erhalten. Basierend auf jahrelangen diplomatischen Gesprächen hat die UN-Generalversammlung den Vertragsentwurf schliesslich im Juni 2023 verabschiedet. Im September 2023 wurde er zur Unterzeichnung eröffnet. Im September 2025 erreichte das Abkommen die erforderliche Zahl von 60 Ratifizierungen, wodurch es am heutigen 17. Januar 2026 rechtswirksam wird.
Zum ersten Mal haben Staaten damit ein rechtlich bindendes Instrument, das es ermöglicht, systematisch Meeresschutzgebiete auch in internationalen Gewässern zu schaffen. Von nun an können Vertragsparteien sogenannte Marine Protected Areas (MPAs) jenseits nationaler Grenzen etablieren. Das ist ein entscheidender Schritt zur Umsetzung globaler Ziele wie dem 30×30-Schutzziel, wonach bis 2030 30% der Ozeane unter Schutz stehen sollen.
Nun müssen die Vertragsstaaten das Abkommen mit Leben füllen – durch wissenschaftliche Priorisierung von Schutzgebieten, durch transparente Entscheidungsprozesse und durch echte Zusammenarbeit mit Küstenstaaten, lokalen Gemeinschaften und der Zivilgesellschaft.
Was bedeutet das Abkommen für die Schweiz?
Stand heute haben 81 Länder das Hochseeschutzabkommen ratifiziert, darunter auch grosse Fischereinationen wie China oder Indonesien. Die Schweiz hat den Vertrag am 5. Februar 2025 unterzeichnet und damit ihre Verpflichtung zur Ratifizierung bekundet. Es wird erwartet, dass der Schweizer Bundesrat in den kommenden Wochen eine Botschaft veröffentlicht, die den parlamentarischen Ratifizierungsprozess in Gang bringt. Mit der Ratifizierung ist frühestens 2027 zu rechnen. Bis dahin können Schweizer Regierungsvertreter:innen zwar an Verhandlungen über mögliche Schutzgebiete teilnehmen, jedoch nicht darüber abstimmen.
Die Schweiz und das Meer: Wichtiger Reederei-Standort
Obwohl die Schweiz ein Binnenstaat ist, gilt sie als eine führende «Reedereination». Zahlreiche Schweizer Firmen besitzen und verwalten eine sehr umfangreiche Hochseeflotte. Nach Angaben des Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD) sind in der Schweiz rund 60 Reedereiunternehmen ansässig, die zusammen etwa 900 Schiffe betreiben. Darunter ist die in Genf ansässige Mediterranean Shipping Company (MSC), das weltweit grösste Unternehmen im Containertransport. Bezieht man zusätzlich die Flotten von Rohstoffkonzernen mit Sitz in der Schweiz wie Glencore, Gunvor oder Vitol mit ein, erhöht sich die Zahl auf ungefähr 2600 Schiffe. Gemessen daran nimmt die Schweiz international den zweiten Platz unter den Reederei-Standorten ein.