Tintenfisch auf Schweizer Tellern
Tintenfisch gilt als Delikatesse. Ob als knusprige Calamari, Oktopus vom Grill oder als Salat – insbesondere in der gehobenen Gastronomie und in der Lifestyle-Szene haben die Weichtiere in den vergangenen Jahren an Popularität gewonnen. Was auf dem Teller als kulinarischer und vermeintlich gesunder Trend erscheint, hat jedoch oft verdrängte ökologische und ethische Schattenseiten.
Anhaltend hoher Tintenfischkonsum in der Schweiz
Die Schweiz ist ein Binnenland und importiert nahezu 100 Prozent an Meerestieren für Konsumzwecke. Auch Tintenfische wie Oktopus (Kraken), Kalmare und Sepien stammen vollständig aus dem Ausland, häufig aus europäischen Fanggebieten, Westafrika oder Asien. Gemäss SwissImpex, der Aussenhandelsstatistik der Schweiz, importierte die Schweiz seit 2012 insgesamt 42‘490 Tonnen, rund 41% davon entfielen auf Oktopus. Im Jahr 2025 waren es 3‘001 Tonnen Tintenfische, das entspricht einer sehr konservativ geschätzten Anzahl von rund 400‘000 Kraken und über 5,5 Millionen Kalmaren und Sepien. Damit ist der Konsum hierzulande direkt mit globalen Fischereipraktiken verknüpft. Tintenfische werden meist wild gefangen, wobei der weltweite Fangdruck zunimmt, da Tintenfische als Ersatz für überfischte Fischarten dienen.
Eigene Darstellung, Quelle: SwissImpex
In der Schweizer Gastronomie lässt sich eine klare Tendenz beobachten: Das Angebot an Tintenfischgerichten nimmt zu und selbst im Detailhandel sind zunehmend verarbeitete Produkte erhältlich. Dieser Trend ist Teil einer allgemeinen Entwicklung hin zu internationaler Küche. Ausserdem gilt Tintenfisch als Superfood-Alternative zu rotem Fleisch und fettigem Fisch. Doch nur selten wird transparent kommuniziert, woher die Tiere stammen und unter welchen Bedingungen sie gefangen und getötet wurden. Gerade in Restaurants fehlt oft eine klare Deklaration zur Herkunft von Tintenfischprodukten.
Ökologische und ethische Schattenseiten
Besonders kritisch ist, dass Tintenfische häufig als «nachhaltigere» Wahl dargestellt werden, weil sie schnell wachsen und kurze Lebenszyklen haben. Diese Argumentation greift zu kurz. Tintenfische spielen eine wichtige Rolle im marinen Nahrungsnetz: Als Beute und Räuber zugleich stabilisieren sie Ökosysteme. Eine verstärkte Entnahme kann daher weitreichende Folgen haben, insbesondere in ohnehin stark beanspruchten Meeresregionen wie dem Mittelmeer.
Zudem verfügen Tintenfische über ein ausgeprägtes Nervensystem, sie können Probleme lösen, Werkzeuge nutzen und zeigen individuelles Verhalten. Die Tötungsmethoden für Tintenfische sind hingegen brachial. Sie werden in Grundschleppnetzen gefangen, werden bereits im Netz erdrückt oder ersticken an Deck der Fangschiffe. Häufig werden sie an Bord in Tanks mit einem Eis-Wasser-Gemisch geworfen, wo sie langsam und qualvoll an Unterkühlung verenden. Anders als bei vielen Landwirbeltieren gibt es international kaum verbindliche Standards zur Betäubung oder Schlachtung von Weichtieren wie den Tintenfischen in der Wildfischerei.
Reduktion statt Ausweitung
Kulinarische Vielfalt darf nicht auf Kosten sensibler Meerestiere und des Ökosystems Meer gehen. Die Ozeane sind keine unerschöpfliche Speisekammer. Wer Tintenfisch bestellt, trifft eine Entscheidung mit globaler Wirkung. KYMA setzt sich dafür ein, dass der Tintenfischkonsum in der Schweiz zurückgeht. Mit Sensibilisierungs- und Kampagnenarbeit decken wir Missstände auf und üben Druck auf Gastronomie und Detailhandel aus.
Gastronomie-Betrieb melden
Kennst du einen Gastronomie-Betrieb in der Schweiz, der Tintenfisch anbietet? Melde ihn uns – wir werden deine Angaben prüfen und den Betrieb dazu auffordern, die angebotenen Tintenfisch-Menüs von der Speisekarte zu streichen.
