40 Jahre Walfangverbot: Ein Jubiläum mit bitterem Beigeschmack

Vom 28. September bis 2. Oktober 2026 trafen sich die Mitgliedstaaten der Internationalen Walfangkommission (IWC) im australischen Hobart. Die IWC ist 80 Jahre alt, das internationale Moratorium für kommerziellen Walfang besteht seit 40 Jahren. Das Jubiläumsjahr hätte Anlass für ein starkes Signal für den internationalen Walschutz sein können. Doch die Bilanz fällt durchwachsen aus: Wichtige Schutzanträge scheiterten, gleichzeitig wurde eine bedeutende Resolution verabschiedet.

Walschutzgebiet im Südatlantik erneut verhindert

Besonders enttäuschend ist das erneute Scheitern des geplanten Walschutzgebiets im Südatlantik. Brasilien, Argentinien und Uruguay setzen sich seit Jahren für die Einrichtung des Schutzgebiets ein. Der Antrag erhielt zwar eine deutliche Mehrheit, verfehlte jedoch die für eine Änderung des IWC-Regelwerks erforderliche Dreiviertelmehrheit. Damit bleibt das Schutzgebiet weiterhin unerreicht. Das ist umso problematischer, weil die Bedrohungen für Wale längst nicht mit dem Ende des industriellen Walfangs verschwunden sind. Schiffsverkehr, Fischerei, Unterwasserlärm, Umweltverschmutzung und die Klimakrise setzen den Tieren weiterhin zu. Der Schutz ihrer Lebensräume ist deshalb zentral.

Schutzlücken bei Delfinen und Kleinwalen bleiben bestehen

Besonders problematisch ist, dass das internationale Walfangmoratorium ohnehin nicht alle Wale schützt. Es gilt nur für Grosswale. Für Delfine und andere Kleinwale gibt es bis heute kein vergleichbares weltweites Fangverbot. Nach Angaben von Pro Wildlife werden weltweit jährlich mehr als 100’000 Delfine und Kleinwale gezielt getötet. Viele Populationen sind zudem nur unzureichend erforscht, sodass belastbare Daten über die Auswirkungen der Jagd fehlen.

Gerade hier wäre die IWC gefordert gewesen, bestehende Schutzlücken zu schliessen. Doch ausgerechnet eine Resolution der Schweiz zum Schutz von Delfinen und Kleinwalen wurde während der Konferenz zurückgezogen, noch bevor die dafür vorgesehene Arbeitsgruppe über mögliche Änderungen am Text beraten konnte. Dabei hatten sich bereits mehrere Staaten hinter das Anliegen gestellt. Als Begründung für den Rückzug argumentierte die Schweizer Delegation damit, dass der Wissenschaftsausschuss der IWC bereits überlastet sei und angesichts bestehender Budgetkürzungen kaum die ihm zugewiesenen Aufgaben bewältigen könne.

Ein Lichtblick: Schutz vor den Folgen des Handels mit Fisch-Schwimmblasen

Neben den Rückschlägen gab es in Hobart auch einen wichtigen Erfolg. Eine von der Europäischen Union eingebrachte Resolution zum weltweiten Handel mit Fisch-Schwimmblasen wurde angenommen.

Was zunächst nach einem eher speziellen Thema klingt, hat direkte Konsequenzen für Wale und Delfine: Die Schwimmblasen bestimmter Umberfische – auch «Fish Maw» genannt – sind auf internationalen Märkten sehr begehrt. Die steigende Nachfrage verstärkt die Fischerei auf diese Arten. Dabei geraten insbesondere in Küstenfischereien mit Kiemennetzen auch bedrohte Kleinwale ins Fanggerät. Die IWC-Wissenschaftler:innen weisen darauf hin, dass die Verbreitungsgebiete mehrerer gefährdeter Delfin- und Schweinswalarten mit den Fanggebieten für diese Fische überlappen.

Die verabschiedete Resolution stellt diesen Zusammenhang nun stärker in den Fokus. Gemeinsam mit weiteren angenommenen Resolutionen, etwa zum Schutz vor Schiffskollisionen, gehört sie damit zu den konkreten Fortschritten der Konferenz.

Ein Jubiläum zwischen Stillstand und zögerlichem Fortschritt

Die Entwicklungen in Hobart machen deutlich, wie vielfältig die Gefahren für Wale heute sind. Es geht nicht mehr allein darum, ob Wale harpuniert werden. Sie verheddern sich in Fischereigerät, kollidieren mit Schiffen, leiden unter Unterwasserlärm und verlieren durch die Klimakrise wichtige Lebensräume und Nahrungsquellen.

Die angenommene Resolution zum Handel mit Fisch-Schwimmblasen ist deshalb ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung: Sie zeigt, dass auch indirekte Auswirkungen menschlicher Wirtschaftsaktivitäten auf Wale und Delfine international stärker berücksichtigt werden müssen. Doch einzelne Fortschritte reichen nicht aus. Für einen wirksamen Schutz der Wale braucht es beides: die Verteidigung bestehender Errungenschaften und den Mut, neue Schutzmassnahmen voranzutreiben.

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