Walfang

Waltiere sind hochentwickelte, soziale und fühlende Lebewesen. Ihre Bejagung verursacht enormes Leid, das durch kein wirtschaftliches oder vermeintlich traditionelles Argument zu rechtfertigen ist. Der kommerzielle Walfang und Kleinwal-Treibjagden sind aus Sicht des Tier- und Artenschutzes sowie der Ökologie eine untragbare und grausame Praxis.

Geschichte des Walfangs

Was im Mittelalter als wagemutige Jagd in Küstennähe in Europa begann, entwickelte sich Ende 19. und während dem 20. Jahrhundert aufgrund technologischer Entwicklungen wie der Granatharpune und von Fabrikschiffen zu einer hocheffizienten Tötungsmaschinerie, die die globalen Walbestände an den Rand der Ausrottung brachte. Wale dienten vor der Entdeckung des Erdöls quasi als Rohstofflager, denn der Blubber (Waltran aus der weichen Fettschicht) diente als Brennstoff für Lampen. Laternen und die Barten (Filtrierapparat im Maul der Bartenwale) fanden als «Plastik des Mittelalters» für Korsettstangen und Schirme Verwendung. Insbesondere Pottwale galten als Lieferanten der teuersten und wertvollsten Rohstoffe im 18. Und 19. Jahrhundert: Die ölige Substanz aus dem Kopf der Tiere, der so genannte Walrat, wurde zu hochwertigen Kerzen verarbeitet und das Ambra aus dem Walverdauungstrakt war in der Parfümindustrie äusserst begehrt.

Die historische Fangdatenbanken der Internationalen Walfankommission (IWC) weisen im 20. Jahrhundert vor dem Inkrafttreten des weltweiten Moratoriums für den kommerziellen Walfang die Tötung von insgesamt 2,9 Millionen Walen aus. Diese Zahl stellt jedoch eine Untergrenze dar, da die Fangstatistiken nicht vollständig sind. Viele Grosswalarten waren am Rand der biologischen Auslöschung. Die Jagd auf die Giganten der Meere hat die weltweiten Bestände von Blau- und Buckelwalen sowie des Nördlichen Glattwals und der pazifischen Population des Grauwals um über 90% dezimiert. Die atlantische Population des Grauwals wurde gar komplett ausgelöscht.

Jagd auf Grosswale

Obwohl das IWC-Moratorium den kommerziellen Walfang auf Grosswale international verbietet, jagen Norwegen, Japan und Island Wale noch immer kommerziell. Norwegen und Island sind zwar Mitgliedländer der IWC, verweigern jedoch die Anerkennung des Walfangmoratoriums. Japan ist im Jahr 2019 aus der IWC ausgetreten und führt seither offiziell kommerziellen Walfang durch, nachdem das Land jahrelang unter dem Deckmantel des wissenschaftlichen Walfangs Wale getötet hat. Im Jahr 2026 belaufen sich die staatlich festgelegten Fangquoten auf Grosswalen wie folgt: Norwegen über 1’600 Zwergwale, Japan insgesamt über 400 Grosswale (Finn-, Sei-, Bryde- und Zwergwale) und Island insgesamt über 300 Grosswale (Finn- und Zwergwale).

Jagd auf Kleinwale

Jährlich werden weltweit geschätzt über 100’000 Kleinwale gezielt getötet. Insbesondere Zahnwale, zu denen die Kleinwale gehören, leben in engen Familienverbänden. Die Jagd sprengt diese Verbände und traumatisiert die überlebenden Tiere oder löscht ganze Walfamilien komplett aus. Beispiele sind:

Delfine werden in verschiedenen Ländern wie Peru, Ghana und im Amazonasbecken jährlich getötet, um ihr Fleisch als Köder in der kommerziellen und illegalen Fischerei zu verwenden.
In Westafrika boomt der Handel mit sogenanntem «Aquatic Wildmeat» (marines Buschfleisch). Tausende Delfine werden jedes Jahr getötet und als Proteinquelle verkauft, da die Fischbestände in den Küstengewässern durch industrielle Trawler leergefischt sind.
Aus vermeintlich traditionellen Gründen finden auf den Färöer-Inseln (autonome Inselgruppe, die zum Königreich Dänemark gehört) und in Japan alljährlich die berüchtigten Kleinwal-Treibjagden statt. Dem so genannten «Grindadráp» auf den Färöer-Inseln fallen jedes Jahr mehrere Hundert bis über Tausend Grindwale und andere Delfinarten zum Opfer. In den Küstengewässern von Japan müssen jährlich mehrere tausend Kleinwale ihr Leben lassen und ein Teil wird für den Lebendverkauf an Delfinarien gefangen.

Qualvolle und subventionierte Verschwendung von Leben

Waltiere haben ein ausgeprägtes Bewusstsein und Schmerzempfinden und ihre Kognition, Sprache und Kultur bilden das Fundament für eine der komplexesten nicht-menschlichen Sozialstrukturen auf unserem Planeten.

Die Jagd auf Waltiere ist mit grossem Leiden verbunden, denn es gibt keine schmerzfreie und sofortige Tötungsmethode. Die Granatköpfe der Harpunen führen zu Verstümmelungen und die harpunierten Wale erleiden durch die Verletzungen einen qualvollen und langen (mehrere Minuten bis über eine Stunde) Todeskampf, indem sie verbluten, ersticken oder ertrinken. Auch das Durchtrennen des Rückenmarks wie bei den Kleinwal-Treibjagden durchgeführt, bedeutet für die betroffenen Tiere unsägliches und langes Leiden.

Der kommerzielle Walfang und Kleinwal-Treibjagden führen auch zur Zerstörung von Walkulturen. Dies alles nehmen die kommerziellen Walfangländer nicht nur in Kauf, sondern wird auch subventioniert. Die Produkte indes sind durch die hohe Quecksilberbelastung des Walfleisches gesundheitsschädigend. Zudem ist die Nachfrage nach Walfleisch in den noch verbliebenen kommerziellen Walfangnationen seit Jahren rückläufig. Der wachsende Überschuss an Walfleisch wird teilweise zu Tierfutter verarbeitet, eingelagert und an Touristen vermarktet. Diese bestellen das Fleisch aus reiner Neugier und im Irrglauben, es handle sich um eine traditionelle, lokale Delikatesse. Sie wirken dabei oft unbeabsichtigt als zentrale Konsum-Treiber.

Tipp für Walschutz im Alltag

Verzichte unbedingt auf den Konsum von Fleisch von Gross- oder Kleinwalen – sowohl in den Ferien als auch zu anderen Gelegenheiten.

Schutz für Waltiere

Der Schutz der Waltiere geht weit über den reinen Tier- und Artenschutz hinaus, denn sie nehmen eine zentrale ökologische Stellung ein. Sie haben eine fundamentale Rolle im marinen Stoffkreislauf und im globalen Klimaschutz. Ihr Kot ist reich an essenziellen Nährstoffen, nahe der Wasseroberfläche ausgeschieden wirkt dieser wie Dünger für das Phytoplankton. Die mikroskopisch kleinen Algen sind einerseits die Nahrungsgrundlage für Kleinstorganismen wie Krill an der Basis der Nahrungskette. Andererseits produzieren sie mittels Photosynthese einen Grossteil des Sauerstoffs in unserer Atmosphäre. Waltiere sind auch riesige Kohlenstoffspeicher, denn ein Grosswal allein speichert im Laufe seines Lebens mindestens 1’000 mal mehr Kohlenstoff in Biomasse als ein Baum. Der Schutz der Waltiere ist also auch aktiver Schutz der marinen Artenvielfalt und des Klimas.

Gross- und Kleinwale werden noch immer im grossen Stil bejagt anstatt geschützt. Das ist beschämend und skandalös. Denn die Tötung von Waltieren ist aus ökologischer und biologischer Sicht nicht tragbar, äusserst grausam und ein Verbrechen gegen die Walgemeinschaften. Wir müssen dem kommerziellen Walfang und der Tötung von Kleinwalen endlich Einhalt gebieten.

Dr. Silvia Frey

KYMA Meeresschutzbiologin

Die gezielte Jagd auf Waltiere ist ein Teilaspekt der Bedrohungen, denen sie heute ausgesetzt sind. Hunderttausende verenden jedes Jahr als Beifang in den Netzen der kommerziellen Fischerei und werden durch Geisternetze und -leinen verletzt und getötet. Die massive Erwärmung der Meere, Kollisionen mit Schiffen und die akustische, chemische und feststoffliche Verschmutzung ihres Lebensraums setzen den Meeressäugetieren enorm zu.

Petition gegen den Walfang

KYMA gehört der internationalen Koalition «End Commercial Whaling» an. Gemeinsam mit Partnerorganisationen kämpfen wir gegen das sinnlose Töten von Waltieren an. Unterstütze uns und unterzeichne die Petition für ein Ende des kommerziellen Walfangs!

Petition gegen den Walfang

KYMA gehört der internationalen Koalition «End Commercial Whaling» an. Gemeinsam mit Partnerorganisationen kämpfen wir gegen das sinnlose Töten von Waltieren an. Unterstütze uns und unterzeichne die Petition für ein Ende des kommerziellen Walfangs!

Gut zu wissen

Walfang

Der Begriff beschreibt üblicherweise die Jagd auf Grosswale. Zu den Grosswalen werden alle Bartenwale sowie der Pottwal gerechnet.

Internationale Walfangkommission (IWC)

Die IWC wurde 1946 von 14 Staaten gegründet. Ihr ursprüngliches Ziel war es, die Fangquoten auf Grosswale so zu regulieren, dass die Bestände nicht komplett kollabieren und die Tiere weiterhin bejagt werden könnten. Im Laufe der Jahre traten immer mehr Staaten der Kommission bei und der Schutzgedanke für Gross- und teilweise auch Kleinwale wurde gewichtiger angesichts der Vielfalt von Gefahren, denen die Waltiere heute ausgesetzt sind. Heute gehören der Kommission über 85 Mitgliedstaaten an.

Walfangmoratorium

Das Moratorium trat 1986 unter der Schirmherrschaft der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Kraft. Es steht für ein internationales Verbot des kommerziellen Walfangs und gilt ausschliesslich für Grosswale. Die Jagd auf Kleinwale ist nicht enthalten und ist daher bislang international unreguliert. In Bezug auf die Jagd auf Grosswale sieht die IWC drei Kategorien vor: Kommerzieller, Subsistenz-Walfang von indigenen Völkern und wissenschaftlicher Walfang. Beim Subsistenz-Walfang setzt die IWC Quoten für die Zahl an Grosswalen fest, die von Ureinwohner:innen in bestimmten Gebieten zur Selbstversorgung gejagt werden dürfen (ca. 300 bis 400 Wale weltweit, z. B. in Alaska oder Sibirien). Der wissenschaftliche Walfang muss bei der IWC beantragt und durch die Kommission genehmigt werden.

Walsturz («Whale Fall»)

Stirbt ein Wal, sinkt sein Kadaver auf den Meeresboden in der Tiefsee. Der gebundene Kohlenstoff in seinem Körper wird dadurch der Atmosphäre für Jahrhunderte entzogen. Zudem bildet sein Körper in der Tiefsee eine wichtige Nahrungsquelle für unzählige Organismen und sichert damit ihr Überleben.

Gut zu wissen

Walfang

Der Begriff beschreibt üblicherweise die Jagd auf Grosswale. Zu den Grosswalen werden alle Bartenwale sowie der Pottwal gerechnet.

Internationale Walfangkommission (IWC)

Die IWC wurde 1946 von 14 Staaten gegründet. Ihr ursprüngliches Ziel war es, die Fangquoten auf Grosswale so zu regulieren, dass die Bestände nicht komplett kollabieren und die Tiere weiterhin bejagt werden könnten. Im Laufe der Jahre traten immer mehr Staaten der Kommission bei und der Schutzgedanke für Gross- und teilweise auch Kleinwale wurde gewichtiger angesichts der Vielfalt von Gefahren, denen die Waltiere heute ausgesetzt sind. Heute gehören der Kommission über 85 Mitgliedstaaten an.

Walfangmoratorium

Das Moratorium trat 1986 unter der Schirmherrschaft der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Kraft. Es steht für ein internationales Verbot des kommerziellen Walfangs und gilt ausschliesslich für Grosswale. Die Jagd auf Kleinwale ist nicht enthalten und ist daher bislang international unreguliert. In Bezug auf die Jagd auf Grosswale sieht die IWC drei Kategorien vor: Kommerzieller, Subsistenz-Walfang von indigenen Völkern und wissenschaftlicher Walfang. Beim Subsistenz-Walfang setzt die IWC Quoten für die Zahl an Grosswalen fest, die von Ureinwohner:innen in bestimmten Gebieten zur Selbstversorgung gejagt werden dürfen (ca. 300 bis 400 Wale weltweit, z. B. in Alaska oder Sibirien). Der wissenschaftliche Walfang muss bei der IWC beantragt und durch die Kommission genehmigt werden.

Walsturz («Whale Fall»)

Stirbt ein Wal, sinkt sein Kadaver auf den Meeresboden in der Tiefsee. Der gebundene Kohlenstoff in seinem Körper wird dadurch der Atmosphäre für Jahrhunderte entzogen. Zudem bildet sein Körper in der Tiefsee eine wichtige Nahrungsquelle für unzählige Organismen und sichert damit ihr Überleben.

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